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Der „Antidepressiva-Schwindel“ in reichen Ländern füllt Pharmafirmen die Taschen. Manche Ärzte stempeln deprimierte Normalbürger zu schnell zu Psycho-Patienten.

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„Antidepressiva werden viel zu oft gegen einfache Formen von Traurigkeit verschrieben“, sagt Professor Tim Cantopher, beratender Psychiater des Trägers von psychiatrischen Kliniken Priory Group in England. „Aber dafür wurden sie nicht entwickelt. Traurigkeit gehört zum menschlichen Leben“. Ein Großteil der unglücklichen, deprimierten Menschen lebt offenbar in den reichen Ländern. Zumindest ist dort die Einnahme von Antidepressiva in den letzten zehn Jahren angestiegen, und zwar sprunghaft. Das zeigt ein Bericht Health at a Glance der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach nehmen mehr als zehn Prozent der Erwachsenen in den USA, Kanada und Island mittlerweile Pillen gegen Depression ein. Vermutlich ein direktes Resultat von Werbekampagnen der Pharmaunternehmen, die diese Mittel als eine Art „magische Problemlöser“ anpreisen.

In dem Bericht heißt es, viele Ärzte in den reichen Ländern verschrieben ihren Patienten, auch solchen mit leichter oder mäßiger Depression, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) als Mittel der Wahl. Nach Ansicht von Experten wären viele dieser Patienten mit Beratung, einer Ernährungsumstellung oder mit natürlichen Alternativen wie beispielsweise heilendem Cannabis besser beraten. Doch SSRI – die das Risiko erhöhen können, dass die Patienten Selbstmord oder sogar einen Mord begehen – werden „wie Bonbons“ ausgeteilt.
 
Sind die Menschen in reichen Ländern wirklich stärker deprimiert oder werden die Diagnosekriterien einfach weiter gefasst? Beides ist anscheinend richtig, aber die Ärzte sind immer schneller bereit, SSRI und andere Antidepressiva zu verschreiben. Selbst wenn keine eindeutige Depression vorliegt. Die Symptome einer leichten Depression oder auch nur allgemeine Niedergeschlagenheit rechtfertigen den Einsatz so starker Medikamente nicht. „Die steigende Einnahme lässt sich … durch die Ausweitung der Indikationen für einige Antidepressiva auch für mildere Formen einer Depression, Angstzustände oder Sozialphobie erklären«, heißt es in dem OECD-Bericht. „Es ist umstritten, ob diese Ausweitung zulässig ist“.
 
Viele erklären die weltweit zunehmende Verschreibung von Antidepressiva als Ergebnis verbesserter Diagnosemethoden, andere halten das für vorgeschoben. Pharmaunternehmen sind einfach besser darin geworden, ihre Medikamente zu vermarkten und Ärzte zu überzeugen, sie ihren Patienten zu verschreiben, besonders den Patienten, die beruflich stark eingespannt sind und meinen, ein schnell wirksames Mittel zu brauchen. „Es ist eher eine Bestätigung für das effektive Marketing der Pharmaindustrie«, sagt Professor Tim Kendall, Direktor des National Collaborating Centre for Mental Health in England, über den Antidepressiva-Schwindel.

Quellen: naturalnews.com; oecd.org

Bild: © Carolin Schultz - Fotolia.com

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