- Kategorie: Gesundheit
- Erstellt am Dienstag, 01. Oktober 2013 08:05
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- Veröffentlicht von Porta Vitalia Redaktion
Gut dotierte Steilvorlagen bringen der Pharmaindustrie Umsatz mit uminterpretiertem Unsinn. Oft geht es um Forschungsgelder und persönliche Eitelkeiten.
Zu Deutsch Spin bedeutet „Verdrehung“. Die Zeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) definiert das Phänomen als „besondere Form des Berichtens, die die Auslegung der Resultate verdreht und die Leser irreführen könnte“. Mit anderen Worten: „Spindoktoren“ sind Mediziner, die Daten fälschen. Dies unter anderem wegen finanzieller Verbindungen zur Pharma-Industrie, um den eigenen professionellen Status zu erhöhen oder auch, um Forschungsgelder zu ergattern.
Einzelfälle? Wohl kaum. In einer von JAMA veröffentlicht Studie berichteten Forscher, bei 40 Prozent der expertenbegutachteten Berichte über Studien mit hochpositiver Aussage, die in führenden medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, seien die tatsächlichen Ergebnisse falsch dargestellt. Bewusste Fälschungen zum Schaden von Millionen von Menschen.
Zu den schockierendsten Beispielen zählt die Entscheidung des amerikanischen Cholesterin-Aufklärungsprogramms der US-Gesundheitsbehörde National Institute of Health aus dem Jahr 2004, den Wert für das „schlechte“ Cholesterin LDL herabzusenken, ab welchem präventive Maßnahmen gegen eine Herz-Kreislauf-Erkrankung eingeleitet werden.
Dadurch stieg die Zahl der Amerikaner, denen die Einnahme von Statinen empfohlen wurde, schlagartig von 13 auf 36 Millionen. Und das trotz einer sorgfältige Analyse der Literatur durch die britische Medizin-Fachzeitschrift The Lancet, ob Statine überhaupt bei einer Herzerkrankung wirksam sind. Ergebnis: „Zur Untermauerung einer Statin-Therapie zur Prävention dieser Erkrankung bei Frauen und bei Menschen über 65 Jahren berufen sich die Richtlinien auf sieben bzw. neun randomisierte Studien. Doch keine von beiden liefert einen entsprechenden Beweis“.
Somit gibt es für die 23 Millionen Menschen, bei denen jetzt zusätzlich „hohe LDL-Werte“ festgestellt werden, keinen wissenschaftlich erwiesenen Grund zu der Annahme, sie seien gefährdet. Wegen einer Verdrehung – eines Spins – der Zahlen werden sie aber so behandelt, als bestünde ein erhöhtes Risiko der Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit. Und werden von ihren Ärzten unter Druck gesetzt, Statine einzunehmen.
Ähnliches gilt für die Psychiatrie: „Alle Klischees, Dogmen und Vorurteile gegenüber Menschen, die von der Psychiatrie eine `Diagnose' angehängt bekommen haben, sind von deren "Spindoktoren" sowohl kreiert, als auch beabsichtigt und dienen – unter anderem – der Vermarktung von Psychopharmaka …“ (Süddeutsche Zeitung).
Bild: © Matthew Benoit - Fotolia.com
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