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Ist Dreck in Wahrheit eine saubere Sache? Studien zeigen, dass ein bisschen Schmutz helfen kann, das Immunsystem zu stärken.

Als Hygiene noch nicht so groß geschrieben wurde wie heutzutage, konnten sich Krankheitserreger leicht verbreiten. Noch vor 100 Jahren hausten viele Menschen mit ihren Tieren unter einem Dach – und so auch mit Keimen und Bakterien. Mangels sanitärer Anlagen kamen auch die Städter tagtäglich mit ganzen Armeen von Mikroben, Bakterien und Parasiten in Kontakt. Heute jedoch – Meister Proper und anderen Hygiene-Hüter-Helden und -Heldinnen sei Dank! – könnten die meisten Kinder vom Fußboden essen.

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Diese auf den ersten Blick idealen Lebensbedingungen können jedoch zum Bumerang werden: In einer klinisch sauberen Umgebung fehlt dem kindlichen Abwehrmechanismus schlicht das Übungsfeld. Schon Ende der neunziger Jahre wiesen Schweizer Forscher nach, dass Bauernkinder dreimal weniger häufig an Asthma und Heuschnupfen leiden als Stadtkinder. Ein Ergebnis, das später durch internationale Studien bestätigt wurde. Sie wiesen nach, dass das Allergierisiko sank, weil das Immunsystem von Bauernkindern durch den Kontakt mit Bakteriengiften laufend stimuliert und gestärkt worden war. Je häufiger die Kinder damit in Kontakt kamen, etwa via Tierkot oder Hausstaub, umso seltener litten sie an Heuschnupfen oder Asthma.


Damit das Immunsystem positiv beeinflusst werden kann, sollte die Gewöhnung möglichst früh stattfinden.

An der Allergieklinik für Kinder und Jugendliche in Davos hat man herausgefunden, dass Kinder, die vor dem ersten Lebensjahr Kontakt mit Stalltieren hatten, ein reduziertes Risiko aufweisen, an Allergien zu erkranken. Auch konnte man nachweisen, dass bei Bauernkindern die weißen Blutkörperchen eine erhöhte Anzahl bestimmter Eiweißmoleküle aufwiesen, die es dem Immunsystem ermöglichen, Mikroorganismen besser zu erkennen und darauf zu reagieren. Eine Langzeitstudie lässt vermuten, dass das kindliche Immunsystem sogar schon vor der Geburt geprägt wird. Das Immunsystem der Kinder verändert sich zum Beispiel bereits, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft oft in einem Stall aufgehalten hat. Ebenfalls wird vermutet, dass noch andere Faktoren mitspielen – möglicherweise auch die Ernährung, etwa das Trinken von frischer Kuhmilch.

„Schmuddelhypothese“ bedeutet nicht, dass man die Kinder schmutzig herumlaufen lassen sollte

Einig sind sich Fachleute darüber, dass eine übertriebene Hygiene kontraproduktiv ist. Die Forschungsarbeiten sind daher auch schon salopp unter dem Titel «Schmuddelhypothese» zusammengefasst worden. Was jedoch nicht bedeutet, dass man sich nicht mehr waschen darf oder die Kinder schmutzig herumlaufen lassen sollte. Sprich: Man sollte wieder mehr Mut zur Normalität haben. Wenn ein Kind spielt und sich dabei Sand in den Mund steckt, ist das keine Katastrophe, sondern normal. Kinder quasi mit Schmutz zu impfen ist aber keine Lösung: Das Wissen, dass der Kontakt zu bestimmten Bakterien das Immunsystem stärken kann, ist nicht einfach auf den Alltag von Stadtmenschen übertragbar. Denn Ferien auf dem Bauernhof oder ab und zu ein Besuch im Pferdestall reichen nicht aus, könnten sogar kontraproduktiv sein: Leidet also ein Kind bereits an Heuschnupfen, ist von Bauernhofferien eher abzuraten.

Quellen: beobachter.ch; biomedizin-blog.de
Bild:      © kitten - Fotolia.com

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