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Ständig das Handy checken. Viele Menschen zeigen einen bedenklichen Umgang mit ihrem schlauen Telefon. Aber was tun?

Tipp, tipp, tipp – die ständige Kontrolle des Displays kann süchtig machen. "Immer mehr Deutsche zeigen ein bedenkliches Verhalten im Bezug auf ihr Smartphone. Sie verbringen sehr viel Zeit mit dem Gerät und werden unruhig, wenn sie es zu Hause vergessen oder der Akku leer ist", erklärt Dr. Christian Montag, Privatdozent für Psychologie an der Universität Bonn. Manche fühlen sich sogar schuldig, wenn sie nicht erreichbar sind. Viele klagen auch über Phantomklingeln. Sie meinen ihr Handy zu hören, obwohl es weder piept noch klingelt noch vibriert.

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Warum schauen wir so oft auf das Display? "Das Antippen und der kleine Moment bis wir sehen, ob sich etwas getan hat, hat auf das menschliche Hirneinen ähnlichen Effekt wie einGlücksspielautomat", erklärt Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn. Sehr wahrscheinlich wird bei vielen Nutzern kurz vor der Smartphone-Aktivierung Dopamin ausgeschüttet, ein Botenstoff, der unter anderem die Vorfreude vermittelt. Das bedeutet nicht, dass Handy-Daddeln glücklich macht – ganz im Gegenteil. Es geht nur um das kurze, spannende Überraschungsmoment.

Smartphone-Surfen ist Anti-Yoga mit einer orthopädisch absurden Haltung

Ein großes Problem sehen die Experten darin, dass sich die Menschen durch ihr Smartphone so oft ablenken lassen. "Man braucht normalerweise rund 15 Minuten, um sich in eine Sache hineinzuarbeiten", weiß Markowetz. Wenn man nach 10 Minuten das Telefon antippt, kommt man niemals in den Flow – also in eine wirklich effektive Arbeitsphase. "Smartphone-Surfen ist Anti-Yoga" Markowetz beschreibt den Umgang mit dem Smartphone als Anti-Yoga: "Beim Yoga begibt man sich in eine orthopädisch wertvolle Position und fokussiert den Geist. Beim Smartphone-Surfen nehmen viele Menschen eine orthopädisch absurde Haltung ein und suchen die maximale Zerstreuung", erklärt der Informatiker.

"Die Zahl der Menschen, die unter ihrem eigenen Smartphone-Verhalten leiden, nimmt zu", weiß Montag. Das gilt für junge genauso wie für ältere Semester. Als Hilfsmaßnahme empfiehlt der Psychologe eine Smartphone-Diät: "Das Handy nicht mehr auf dem Sofa nutzen, nur noch auf einem unbequemen Stuhl", nennt Montag ein Beispiel. Was noch helfen kann: Einen Tag pro Woche Smartphone-frei oder kein Handy nach 19 Uhr. Markowetz rät dazu, sogenannte Gateway-Apps zu umgehen. Dazu zählen Uhr und Wecker. "Wer sich morgens vom Telefon wach machen lässt, gerät in Versuchung, gleich die Mails zu checken", warnt der Informatiker. Außerdem rät er zur Anschaffung einer Uhr. Dann muss man nicht mehr auf das Display tippen, um die Zeit zu erfahren.

Beide Experten plädieren für eine komplett neue Smartphone-Etikette: "Die Gesellschaft muss sich überlegen, wie das Handyverhalten der Zukunft aussehen soll", sagt Markowetz. Dass man um 23 Uhr niemanden mehr anruft, ist mittlerweile gelernt. Auf eine SMS um die Zeit erwarten aber noch viele eine Antwort. "Wir brauchen Regeln für das Smartphone-Verhalten im Alltag, im Restaurant, mit Freunden", erklärt Montag.

Lesen Sie hierzu auch: „Neue App enttarnt Handy-Abhängigkeit“

Quelle: apotheken-umschau.de; portavitalia.com
Bild:    © Antonioguillem - Fotolia

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