- Kategorie: Gesundheit
- Erstellt am Mittwoch, 18. Februar 2015 08:00
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- Veröffentlicht von Redaktion Porta Vitalia
Ein hochkarätiger Wissenschaftler übt knallharte Kritik an der Branche. Sein Buch "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ ist gespickt mit dramatischen Details und Fakten.
Die wenigsten Medikamente helfen den Menschen wirklich. Das sagt Professor Peter C. Gøtzsche, Facharzt für innere Medizin, der viele Jahre für Pharmaunternehmen klinische Studien durchgeführt und sich um die Zulassung von Medikamenten gekümmert hat. Von ihm stammen über 50 Artikel, seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden mehr als 10.000-mal zitiert. Mehr Kompetenz geht nicht. Mehr wissenschaftlicher Verriss geht aber auch nicht:nämlichdass „wir uns 95 Prozent des Geldes sparen können, das wir für Arzneien ausgeben, ohne dass Patienten Schaden nehmen. Tatsächlich würden mehr Menschen ein längeres und glücklicheres Leben führen können.“
Die Kernkritik, die er samt Ross und Reiter (sprich: Firmen und Produkte) nennt: Es wird gefälscht, Nebenwirkungen werden verschleiert und Kontrollen ausgetrickst. Ein Beispiel für zahlreiche andere: „eine Firma in Indien Daten gefälscht hat, um Studien für internationale Pharmakonzerne besser aussehen zu lassen.“
Unter dem Strich rechnen sich sogar Strafzahlungen in Milliardenhöhe!
Professor Gøtzsche zählt Unternehmen auf, die trotz angeblich hoher ethischer Standards ihre Produkte illegal vermarkten. Die Summen der Strafzahlungen sind enorm, für die betroffenen Firmen aber nur ganz normale Ausgaben, die sich im Endeffekt sogar noch rechnen. Erklärt am Beispiel eines Antipsychotikums: Bei einer Strafzahlung von 1,4 Milliarden Dollar wegen „illegaler Vertriebsmethoden“ hatte der Konzern mit dem Mittel schon 39 Milliarden Dollar verdient. Für Gøtzsche kein Einzelfall“, sondern lediglich ein einziges Beispiel für „organisierte Kriminalität“.
Gøtzsche zum umstrittenen Grippemittel Tamiflu: Die Daten der Firma Roche zum Medikament seien nicht umsonst lange unter Verschluss gehalten worden, da sie manipuliert waren. Roche habe seinerzeit „Phantasiedaten“ publiziert, die das Medikament erst verkaufsfähig gemacht hätten. Apropos Studien: Es sei heute eine Art „offenes Geheimnis“, dass von Firmen unterstützte oder von ihnen selbst durchgeführte Studien (im Vergleich zu unabhängigen Instituten) fast immer zu einem vorteilhaften Ergebnis kommen. Heute werde die Wissenschaft zum Werbeträger degradiert. Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch bei den Fachjournalen.
Die Firmen wollen sogar, dass auch gesunde Menschen ihre Mittel nehmen
Zwar gäbe es auch kritische Stimmen in der Pharmaindustrie, besonders unter den Wissenschaftlern. Doch die Entscheidung werde vom Management gefällt. Und hier zähle nicht die Wissenschaft, sondern der Umsatz. Darum gebe es so zahlreiche Beispiele dafür, dass Unternehmen „Mittel auf den Markt gedrückt haben, obwohl sie schädlich und für viele Patienten sogar tödlich waren.“
Gibt es denn überhaupt noch Medikamente gibt, die der Gesundheit und einer hohen Lebenserwartung dienen? „… im Verhältnis zu der Menge der Mittel, die verschrieben werden, profitieren nur wenige Menschen tatsächlich davon. Weil Kranken viel zu häufig Arzneien verschrieben werden. Weil die Firmen sogar wollen, dass auch gesunde Menschen ihre Mittel nehmen.“
Professor Gøtzsche zeigt aber auch Lösungsansätze auf: Unabhängige Medikamententests, Offenlegung der Studiendaten (auch wenn sie weniger gut ausfallen), ein Ende der Bestechungsmöglichkeiten von Medizinern (Reisen, Essen, finanzielle Vergütungen für pseudowissenschaftliche Praxisstudien, Werbeverbot für Medikamente. Vor allem aber: „Das Versagen des Systems schreit nach Revolution“.
Einen Blick in das Buch gibt’s hier
Phantomtests und Papier-Patienten
Big Pharma pusht Gute-Laune-Pillen
Quellen: süddeutsche.de; m-vg.de; naturheilt.com
Bild: Peter C. Götzche - Amazone.de
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