- Kategorie: Gesundheit
- Erstellt am Donnerstag, 23. Oktober 2014 08:00
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- Veröffentlicht von Redaktion Porta Vitalia
Gerade im Herbst bekommen Kinder vermehrt Infekte in Rachen, Hals und Ohren. Antibiotika sind dann oft die falsche Medizin. Denn es gibt eine sinnvollere Lösung.
Herbstzeit – Husten, Schnupfen Heiserkeit. Oft stecken Viren dahinter. Doch viele Ärzte verschreiben noch immer Antibiotika. Dabei ist längst bekannt, dass die nicht viel ausrichten gegen die viralen Eindringlinge. Oft ist der Schaden sogar größer als der Gesundheitsnutzen. Aber was tun? "Wait and watch", wird Johannes Liese, Professor an der Uni-Kinderklinik Würzburg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGP) in der WAMS zitiert. So heiße dieser Ansatz, ganz offiziell. Abwarten und genau hinschauen. Dieses Konzept stamme von den Holländern. Dort gebe es kaum Probleme mit resistenten Bakterien. Einer Studie zufolge bekamen Kinder in unserem Nachbarland nur etwa halb so oft Antibiotika verschrieben wie bei uns. Auch in Dänemark und England bekamen Kinder seltener Antibiotika.
Das Problem der bundesdeutschen Verschreibungsflut sind laut Liese oft die Eltern. Sie erwarten vom Arzt ein Rezept, am besten für ein „Wundermittel“. Doch Antibiotika (übers. „gegen das Leben“) führen bei jedem fünften Kind zu Problemen in Magen und Darm. Schlimmer noch: Nehmen die Kids das vermeintliche Wundermittel zu häufig, leidet die gesamte Darmflora, in der Folge geht das Immunsystem in die Knie.
Dabei wird ein Kind mit Mittelohrentzündung lediglich einen Tag früher gesund, wenn es Antibiotika bekommt, das haben Studien ergeben. Konkreter: Von hundert Kindern werden die Mittelohrenzündung 81 ohne Medikamente wieder ganz los, 62 hatten bereits am zweiten Tag keine Schmerzen mehr – Fakten aus der "Leitlinie Ohrenschmerzen" der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.
Lieber nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen. Jeden Einzelfall genau beobachten. Die Eltern aufklären. Nur im Notfall Antibiotika. Das könnte des Dilemmas Lösung sein. Aber das ist schneller gesagt als getan. Denn es gibt ein Problem im aktuellen Gesundheitssystem: Diese Lösung kostet Zeit, die der Arzt nicht abrechnen kann. Im Gegensatz zu einem Kassenrezept.
Inzwischen gibt es spezielle Aufklärungsbroschüren. Vielleicht hilft das Lesen besorgten Eltern beim Abwarten:
HTTPS://www.antibiotika-gezielt.org/depliant-allemand.pdf
Antibiotika für Kinder: Verordnung ist abhängig vom Wohnort
Quellen: vkhd.de; Wams, portavitalia.de
Bild: © nikesidoroff -Fotolia.com
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