- Kategorie: Gesundheit
- Erstellt am Montag, 24. März 2014 10:06
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- Veröffentlicht von Porta Vitalia Redaktion
Das Buch „Eidesbruch“ von Michael Imhof ist eine lesenswerte Abrechnung mit Ärzten, die mehr auf Profit achten als auf das Wohl ihrer Patienten.
Imhof arbeitete selbst als Chirurg an der Uniklinik Würzburg. Er will nicht pauschalisieren, will kein Nestbeschmutzer sein. Aber aufrütteln möchte er. Imhof schreibt voller Leidenschaft, geißelt ein System, das ins Wanken gerät und falsche Prioritäten setzt. Schuld sind seiner Meinung nach die sieben Todsünden der modernen Medizin:
1. Kommerzialisierung von Krankheit und Leiden
Imhof nennt beispielsweise Bandscheiben-Operationen und Kniegelenkeingriffe. Dass diese nur aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft zunehmen, lässt er als alleinige Ursache nicht gelten. Er sieht einen klaren Zusammenhang mit den Fallpauschalen, nennt Zahlen, die nachdenklich stimmen. 200.000 künstliche Hüftgelenke werden in Deutschland Jahr für Jahr eingesetzt. Im übrigen Europa seien es rund 300.000. Der Druck auf die Ärzte, messbare Leistungen zu erbringen, steige. „Es wird eben nur noch das getan, was sich rechnet“. Damit das Krankenhaus wirtschaftlich bleibt, würden „schicke Unternehmensberater ohne medizinischen Hintergrund“ die Leistungszahlen vorgeben.
2. Geldgier
Pharmaunternehmen geben Unmengen an Geld für Marketing aus. Das sei ein Grund, warum Medikamente in Deutschland deutlich teuerer als in vielen anderen Ländern seien. Beispiel Aspirin: Während eine Aspirin-Tablette in England etwa zwei Cent koste, zahlen wir 20 Cent. Krassere Unterschiede gebe es bei Tabletten des Krebspräparates Glivec. 30 Tabletten würden in Deutschland rund 3500 Euro kosten, in Schweden 2400 Euro. „Bis heute diktieren die Hersteller für patentgeschützte Präparate den Krankenkassen die Preise“, kritisiert Imhof.
3. Habsucht
„Individuelle Gesundheitsleistungen“? Klingt unsexy, nennen wir es doch IGeL. Der Katalog für diese Zusatzleistungen, die Krankenversicherte selbst bezahlen müssen, wird immer bunter und länger. Arzthelferinnen werde mittlerweile zu „IGeL“-Managerinnen ausgebildet, um die Zusatzleistungen rhetorisch brillant an die Patienten zu bringen.
4. Korruption
Imhof spricht von „modernen Verschiebebahnhöfen zwischen niedergelassenen Ärzten, Kranken- und Sanitätshäusern“. Sogenannte Kooperationsverträge könnten dazu führen, dass Patienten nicht unbedingt in die beste Spezialklinik überwiesen würden, sondern zu jenem Krankenhaus, von dem der Arzt eine „Prämie“ kassiert.
5. Ethische Probleme
Er ist sich sicher, dass die Liste gefälschter Studienergebnisse immer länger werde. Unabhängige Studie zur Wirksamkeit von Medikamenten gebe es viel zu selten. „Die Auftraggeber der Studien sind ja in vielen Fällen die Hersteller, und diese haben natürlich ein großes Interesse daran, ihre Produkte auf den Markt zu platzieren.“
6. Fehlendes Mitleid
Nicht alles was machbar sei, sei auch medizinisch sinnvoll. Nicht bis zum Schluss alle Therapien gewinnbringend auszureizen sei eine Herausforderung für die „zunehmend durch ökonomische Zwänge gefesselte Medizin des 21. Jahrhunderts“. Auch in hoffnungslosen Situationen werde „oft bis in den letzten Atemzug hinein" behandelt.
7. Machbarkeitswahn
Niemand ist so richtig gesund. Und wenn gerade mal nichts ist, kann man ja neue Krankheiten erfinden. Die „Wechseljahre des Mannes“ hält Imhof für so einen Krankheits-Mythos. Wenn ältere Männer jetzt müde sind oder eine schwächelnde Libido hätten, sei daran ein Testosteron-Mangelsyndrom schuld. Imhof nennt die „Hormonmangelseuche“ als ein Beispiel, wie die Pharmaindustrie auch an Gesunden verdienen möchte.
Hier ein Blick in das Buch: HTTPS://www.campus.de/buecher/wirtschaft-gesellschaft/politik/eidesbruch-8170.html
Quelle: Huffingtonpost.de
Bild:© contrastwerkstatt - Fotolia.com
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