- Kategorie: Ernährung
- Erstellt am Montag, 05. Mai 2014 09:20
- 14 .2
- Veröffentlicht von Porta Vitalia Redaktion
Wie können riesige Mengen „Mogelfleisch“ einfach so verschwinden? Das versucht die Verbraucherorganisation foodwatch in einer großen „Entschleierungs-Aktion“ herauszufinden.
Jahr für Jahr werden in Deutschland Jahr rund 70.000 Tonnen so genanntes Separatorenfleisch verarbeitet. Daraus lassen sich z. B. rund zwei Milliarden Würstchen herstellen. Doch wem ist im Supermarkt oder an der Imbissbude schon mal der Hinweis "Separatorenfleisch" aufgefallen? Wohl den wenigsten. Denn in welchen Lebensmitteln dieses besonders billige und hygienisch sensible Restfleisch landet, erfährt der Verbraucher selten. Im Supermarkt sind Produkte mit dem Hinweis "Separatorenfleisch" praktisch nicht auffindbar – obwohl dessen Kennzeichnung vorgeschrieben ist.
Wie kann das sein? 70.000 Tonnen Fleisch verschwinden einfach wie in einem schwarzen Loch? Branchen-Insider äußern den Verdacht, dass große Mengen Separatorenfleisch einfach ohne Deklaration verarbeitet werden – das wäre Betrug! Fest steht: Die foodwatch-Recherchen zeigen, wie undurchsichtig der Fleischmarkt in Deutschland ist. Die verworrenen Strukturen laden geradezu ein zum Betrügen und Täuschen. Die Lebensmittelbehörden interessiert das offensichtlich wenig. Sogar Anfragen beim zuständigen Bundesministerium, bei 16 Länderministerien, Verbänden der Fleischindustrie und Anbietern aus der Systemgastronomie konnten nicht aufklären, wo die 70.000 Tonnen Problemfleisch landen … untergetaucht, untergejubelt, umetikettiert?
Für Lebensmittelhersteller ist die Versuchung groß, Separatorenfleisch nicht zu kennzeichnen
Separatorenfleisch wird maschinell mit Hilfe von Druck und einer Art Sieb vom Knochen gelöst. Werden bei der Produktion alle Vorgaben eingehalten, ist die Verwendung gesundheitlich unbedenklich. Die Herstellung ist allerdings hygienisch besonders sensibel und das abgelöste und zerkleinerte Fleisch ist – ähnlich wie Hackfleisch – anfälliger für mikrobakterielle Verunreinigungen. Für Lebensmittelhersteller ist der Anreiz groß, Separatorenfleisch ohne Kennzeichnung einzusetzen: Es ist im Schnitt zwei- bis fünfmal günstiger als gewachsenes Muskelfleisch, lässt sich aber bei Lebensmittelkontrollen nur schwer nachweisen.
Um Missverständnissen vorzubeugen: foodwatch lehnt die Verwendung von Separatorenfleisch nicht per se ab – schließlich wäre es Verschwendung, 70.000 Tonnen verzehrbare Fleischreste einfach zu entsorgen. Doch zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Erstens müssen das Ausgangsmaterial und sämtliche Verarbeitungs- und Behandlungsschritte nachweislich hygienisch einwandfrei sein. Und zweitens muss für den Verbraucher über die gesamte Verwertungskette bis zum Endprodukt Transparenz herrschen. Das ist derzeit nicht der Fall, und deshalb hat sich die Verbraucherorganisation entschlossen: Wer Hinweise hat auf Anbieter, die Separatorenfleisch verarbeiten, ohne es auf der Verpackung (Supermarkt) oder der Speisekarte (Gastronomie) zu kennzeichnen, kann der Verbraucherorganisation anonym Informationen zukommen zu lassen.
Mehr über die Aktion: https://www.foodwatch.org/de/informieren/separatorenfleisch/such-aktion/#2
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