- Kategorie: Ernährung
- Erstellt am Montag, 10. November 2014 08:00
- 14 .2
- Veröffentlicht von Redaktion Porta Vitalia
Ein aufgeblasener Apfel auf der Titelseite suggeriert Sensationelles. Im Text sucht man den angekündigten Betrug allerdings vergeblich.
„Innerhalb weniger Jahre ist ein System, das einmal als Gegenentwurf zur industriellen Landwirtschaft angetreten war, von einer echten gesellschaftlichen Alternative zu einer alternativen Produktionstechnik geschrumpft.“ So die kernige These im „Spiegel“ (Heft 45 v. 3.11.2014). Doch bei den Fakten wird’s dann dünner, wie Autor Leo Frühschütz vom Magazin schrot & korn herausfand: Was sich anhört wie eine Enthüllungs-Story, beginnt mit einem Bioland-Kartoffelbauern, der seinen Betrieb schließen muss, weil das gepachtete Land an Energiemais-Anbauer ging. Ein Eiererzeuger mit Mobilställen kritisiert den bürokratischen Kontrollaufwand. Statt seine Zeit mit den Tieren zu verbringen, sitzt er die Hälfte der Zeit am Papierkram.
Insgesamt „ein buntes Potpourri all der Themen, die seit zwei Jahren innerhalb und außerhalb der Bio-Branche diskutiert werden“, so Leo Frühschütz. Nur vom angekündigten Bio-Betrug sei nichts zu lesen. Auch auf die im Titel genannten Konzerne, die die Öko-Idee missbrauchen, fänden sich im Text kaum Hinweise. Auch kein anderer Name, etwa von großen Mühlen, die billiges und oft fragwürdiges Bio-Getreide aus Rumänien, Moldawien oder der Ukraine weiter verkaufen an große Industrie-Bäcker – kein Wort über die Bio-Marken von Konzernen wie Nestle (Wagner Pizza) oder Vion (Salomon). Keine Recherche auch darüber, so moniert Frühschütz weiter, was ein Bioeier-Preis von 2,29 Euro fürs 10-er-Pack bei Aldi für Erzeuger und Legehennen bedeute.
„Das Titelblatt des Spiegel ist schlicht Verbrauchertäuschung“, resümiert Frühschütz. Auftrag erfüllt, möchte man hinzufügen. Lisa und Otto Normalverbraucher erfahren wieder mal, was sie schon immer geahnt, manche gar schwer gehofft haben: Bio ist Betrug, billig tut’s auch. Und so, Spiegel sei dank, kann weiter geiler Geiz die Regie führen auf der Einkaufspirsch im biofreien Supermarkt.
Bild: © Robert Kneschke - Fotolia.com
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